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Lahntal als GEO-Erlebnisregion

Ehrenamtliche Bodendenkmalpflege 

im Landkreis Limburg-Weilburg

 

 

 

Weilburger Tagblatt, 03.02.2005:

Das Lahntal als "Geo-Erlebnis"

Dr. Rittweger neuer Kreisarchäologe
 

Der neue Kreisarchäologe Dr. Holger Rittweger (links) wartet mit einer Reihe von Veröffentlichungen auf. Bei seiner Vorstellung durch Landrat Dr. Manfred Fluck stellte er eine Kartierung des Kreises als Geo-Erlebnisregion vor.

Limburg-Weilburg. "Unser Boden ist ein gigantisches Archiv, das wir bewahren und erschließen müssen", sagt Dr. Holger Rittweger. Dazu erhält der Diplom-Geograph jetzt reichlich Gelegenheit, denn der Kreis Limburg-Weilburg hat den 42-Jährigen aus Waldbrunn-Hausen als ehrenamtlichen Kreis-Archäologen beauftragt. 

Der neue Kreisarchäologe Dr. Holger Rittweger (links) wartet mit einer Reihe von Veröffentlichungen auf. Bei seiner Vorstellung durch Landrat Dr. Manfred Fluck stellte er eine Kartierung des Kreises als Geo-Erlebnisregion vor.

Gegen eine Aufwandsentschädigung wird der Experte die Öffentlichkeit mit Vorträgen, Exkursionen und Schülerprojekten in die Geheimnisse der frühgeschichtlichen Zeit einführen. Als Geowissenschaftler und Botaniker kann er darüber hinaus Ansprechpartner für naturhistorische Fragen sein. 

Landrat Dr. Manfred Fluck (SPD) hat jetzt den "neuen Mann" vorgestellt, der vielen Bürgern hier zu Lande bereits bekannt ist. Dr. Rittweger hatte den Bau der ICE-Strecke geologisch begleitet und dort 50 Bodendenkmäler, zum Beispiel aus der Eiszeit, dokumentiert. 

Er hat hunderte interessierter Bürger zu jahrtausende alten Zeugnissen geführt und Schulklassen im Unterricht die Steinzeit, Eisen- und Bronzezeit lebendig werden lassen. Sein Wissen bringt der Wissenschaftler mit pädagogischem Geschick an die Zuhörer, denn er versteht es, Landschaft und Funde interessant zu machen. 

 

Unterricht findet bei Dr. Holger Rittweger in einer "Steinzeithöhle" statt. Er versteht es vortrefflich, Schüler in Erlebnis-Veranstaltungen zu begeistern. Das Bild zeigt Fürst-Johann-Ludwig-Schüler aus Hadamar bei einer Quizrunde.

"Die Menschen wollen wissen, wo ihre Wurzeln sind. Das vermittelt ihnen Heimat und Identität", sagt der Kreisarchäologe, der seit 2001 am Aufbau eines "Mobilen Landschaftsmuseums" arbeitet. 

Viele Bodendenkmäler aus uralten Zeiten 

"In unserem Landkreis liegt auf Grund geografischer Gegebenheiten, wie dem Lahntal, dem Limburger Becken und den Siedlungen der Kelten, eine enorme Fülle an unterschiedlichen Bodendenkmälern, die aus einem Zeitraum von wenigstens 50 000 Jahren stammen", führte der Landrat aus. 

Nicht zuletzt könnte durch einen Kreisarchäologen die erlebnis-touristische Bedeutung mancher archäologischen Funde hervorgehoben werden. Rittweger sprach von einem sehr interessanten Erbe unterschiedlicher Gesteinsformationen. 

17 Jahre lang hat der Westerwälder in Marburg gelebt, dort studiert und zahlreiche archäologische Grabungen begleitet. Seine Heimat bezeichnet er als "Geo-Erlebnisregion". Sie berge ein Potenzial, das sich für eine touristische Umsetzung hervorragend eigne. 

Die keltischen Siedlungen der Dornburg und des Almerskopfes nahe Barig-Selbenhausen, zum Beispiel. Sie und andere Bereiche ermöglichten hoch interessante Funde. "Wenn ich durch die Flur spaziere, dann komme ich immer vom Weg ab und finde etwas aus der Vergangenheit", gesteht der Experte. 

Bei seiner Vorstellung reicht er einen kleinen Plastikbeutel mit Scherben herum, die auf eine frühzeitige Besiedelung seiner Heimat Hausen schließen lässt. 

Bodenfunde retten und dokumentieren 

Das Landesamt für Denkmalpflege in Hessen hatte angeregt, dass alle Kreise und kreisfreien Städte kommunale Archäologen einstellen sollen, um die vielfältigen Bodenfunde zu retten, zu dokumentieren und die Bevölkerung zu informieren. 

Fünf hessische Kreise haben hauptamtliche Archäologen, in drei weiteren sind die Positionen mit Ehrenamtlichen besetzt. Dr. Holger Rittweger wünscht sich eine Arbeitsgruppe, mit der er gerne zusammenarbeiten würde. 

"Feuerwehrfunktion" bei Bauvorhaben 

Der Landrat sieht in der Arbeit seines neuen Mitarbeiters auch eine gewisse "Feuerwehrfunktion". Er sei in der Lage, vor einer Baumaßnahme Zeugnisse aus der Vergangenheit zu sichern, um sie für die Nachwelt zu retten. Oftmals sei es eine "Notbergung", wie Rittweger verdeutlicht. Das müsse aber nicht zu einer Auseinandersetzung zwischen den Interessen kommen und schon gar nicht zu einem Baustopp führen. 

 

 

Nassauische Neue Presse, 03.02.2005:

Dr. Rittwegers "neue Lust an alter Geschichte"
(v. Sascha Braun)

Limburg. Steht man heute vor dem Limburger ICE-Bahnhof, erinnert nichts mehr an den Anblick, der sich dort im Sommer 2001 bot. Damals waren tiefe Schluchten in den Boden gefräst - die späteren Straßentrassen. Mitten drin, zwischen Bagger und Planierraupen, sichtete ein Mann die Erdschichten, bevor sie abgetragen und abtransportiert wurden: Dr. Holger Rittweger, Diplom-Geograph aus Waldbrunn-Hausen. Seinen Bemühungen ist es zu verdanken, dass neben einigen archäologischen Denkmälern auch bemerkenswerte naturhistorische Funde dokumentiert wurden.

Vor dem heutigen Eingang zum Bahnhof legte der Naturwissenschaftler damals ein mächtiges Löss-Profil aus der letzten Eiszeit frei, das Einblicke in die Klima- und Landschaftsgeschichte des Limburger Beckens und seiner Randgebiete bot. Außerdem brachte er unter anderem eine jungsteinzeitliche Pfeilspitze aus nordischem Feuerstein, vorgeschichtliche Keramik und so genannte Schlitzgruben, die wohl zum Gerben von Fellen oder der Textilherstellung dienten, ans Tageslicht. 

Diese Erkenntnisse, maßgeblich sind sie Rittweger zu verdanken, haben auch die Verantwortlichen des Kreises auf den Plan gerufen: Landrat Dr. Manfred Fluck (SPD) bestellte den Geographen jetzt zum ehrenamtlichen Kreisarchäologen, rückwirkend zum 1. Januar 2005. Rittweger, sagte der Landrat, habe es verstanden, "den Menschen den Blick in die Erdgeschichte zu verdeutlichen". Er habe "die neue Lust an der alten Geschichte" geweckt. Nach Flucks Worten bekommt der Wissenschaftler nun "eine bescheidene Aufwandsentschädigung", auch für seine Verdienste um die Entwicklung des "Mobilen Landschaftsmuseums", das im Internet unter http://www.mobileslandschaftsmuseum.de zu finden ist. Der Kreis liegt mit seiner Entscheidung auf der Linie des Landesamtes für Denkmalpflege, das dazu aufgerufen hatte, kommunale Archäologen einzustellen, um Bodenfunde zu retten und zu dokumentieren, aber auch um die Öffentlichkeit darüber zu informieren. 

Wie Rittweger sagte, beherbergt die Limburger Region aus geologischer Sicht "ein gigantisches Archiv, das wir einfach nicht zerstören dürfen. Wir sind es unseren Kindern schuldig, dass wir Funde nicht einfach wegbaggern." Bauherren, die Funde machen, bittet er, ihn sofort zu kontaktieren. Die Kreisarchäologie erfülle eine "Feuerwehrfunktion" und halte den Baufortschritt nicht auf.

 

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03.03.2017