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Der 'Hauser Wald' bei Waldbrunn-Hausen

- Archäologie, Geologie, Natur -

 

 

 

 

 

Ein besonderes Kleinod an der Grenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz

 

 

Der Hauser Wald bei Waldbrunn-Hausen - Archäologie, Geologie, Natur - Ein besonderes Kleinod an der Grenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz

 

Archäologische Denkmäler, Boden-Funde und schützenswerte Landschaftsbestandteile

Eine Auswahl - zusammengestellt von Dr. H. Rittweger im Juni 2016
 

Ausschnitt der Topographischen Karte 25 Blatt 5414 Mengerskirchen mit ausgewählten archäologischen Fundstellen und Landschaftsbestandteilen von (prä)historischer Bedeutung (sowie den zwischen 2015 und 2018 geplanten Windkraftanlagen

(verändert, H. Rittweger 06/2016)

 

1. - 3. Namen wie "Hohler Stein", "Herbertshöhl" oder "Unter der Steinritze", im Volksmund bzw. auf Hauser Platt als "Schtaaritz" (3.) bezeichnet sind ernst zu nehmende Hinweise auf bislang unentdeckte Steinkisten- bzw. Steinkammergräber aus der Jungsteinzeit. Dies beweist z.B. der identische Flurname "Hohler Stein" bei Hadamar-Niederzeuzheim mit dem anschaulich restaurierten Megaltihgrab in nur 5 km Entfernung (Luftlinie; s. dazu auch: SCHADE-LINDIG, S. (2004): Das Steinkammergrab von Niederzeuzheim. Führungsblatt zum rekonstruierten Galeriegrab der Wartberggruppe bei Hadamar-Niederzeuzheim "Hohler Stein", Kreis Limburg-Weilburg. Archäologische Denkmäler in Hessen 160. Wiesbaden http://geopark-wlt.de/den-geopark-entdecken/geotope/337-steinkammergrab-von-niederzeuzheim.html.) Bedauerlicher Weise wurde nahe beim "verdächtigen" Flurnamen "Unter der Steinritze" (s. o. Nr. 3.) auf dem Acker westlich vom Hirschberg vor wenigen Jahren ein solch seltenes und bemerkenswertes Bodendenkmal mit großer Wahrscheinlichkeit aus Unwissenheit zerstört: Die beim Pflügen störenden großen  Basaltplatten wurden herausgerissen und am Rand der K489 aufgeschichtet.

4. Auf einer Abraumhalde am Basalt-Steinbruch bei Elbtal-Elbgrund habe ich im Jahr 2000 Keramik-Scherben vorgeschichtlicher Machart entdeckt (Fundmeldung an das Landesamt f. Denkmalpflege Hessen (LfDH), Abteilung Archäologie, Wiesbaden). Vom damaligen Steinbruch-Betreiber wurde zudem eine menschliche Schädel-Kalotte bislang unklarer Zeitstellung übergeben (gefunden auf dem Förderband...), die in das LfDH, Außenstelle Marburg verbracht wurde. Diese Funde könnten in engem Zusammenhang mit den zuvor erwähnten möglichen jungsteinzeitlichen Spuren stehen! (Daneben sollte an dieser Stelle auch nicht unerwähnt bleiben, dass im Elbgrunder Steinbruch (unmittelbar unter dem Basalt) ein ca. 25 Millionen Jahre alter Ölschiefer erhalten ist, dessen Fossilerhaltung und wissenschaftliche Bedeutung den Vorkommen bei Nistertal-Enspel sowie bei Messel (Darmstadt) vergleichbar ist.

(RITTWEGER, H. (2000): Neue tertiäre Fossillagerstätte im Westerwald entdeckt. - In: Der Westerwald - Zeitschrift für Heimatpflege, Wandern und Naturschutz, 93. Jg., H. 4, 2000: 157. Hrsg. v. Westerwald-Verein, Montabaur. / FELDER, M., RADTKE, G. & KELLER, T. (2011): Ein Schwarzpelit-Vorkommen im Westerwald (Forschungsbohrung Elbtal-Elbgrund, Hessen). – Geol. Jb. Hessen, 137: 85–101, 9 Abb.; Wiesbaden. /  s. dazu auch:  http://www.mobileslandschaftsmuseum.de/spuren/basalt.htm)

5. Auf dem sog. "Paradies", eine Acker- und Wiesenfläche zwischen Lindenberg und "Hohler Stein" habe ich 1997 sicher datierte Keramik-Scherben aus der frühen Eisenzeit (Hallstatt, Stufe C) aus der Zeit um 700 v. Chr. gefunden (Fundmeldung LfDH Wiesbaden). Ob es sich um Siedlungs- oder Gräberreste handelt, lässt sich ohne wissenschaftliche Grabung nicht klären. Weitere vergleichbare Funde im nördlich anschließenden Waldgebiet sind deshalb nicht ausgeschlossen, zumal dort durchaus Spuren zu finden sind, die als Grabhügel, Wohnpodien oder ggf. auch Köhlerplatten gedeutet werden könnten!

6. Bei der sagenumwobenen "Wildweiberkirch", dem Wahrzeichen von Waldbrunn-Hausen, handelt es sich um eine beeindruckende Gruppe massiver Basaltfelsen (s. Abb. unten). Sie ist Teil einer langgestreckten SW - NO verlaufenden Basaltdecken-Stufe. Zahlreiche Untersuchungen an vergleichbaren Lokalitäten in Hessen zeigen, dass an solchen sog. "Wildleute-Orten" immer auch mit besonderen Funden aus vor- und frühgeschichtlicher Zeit zu rechnen ist (vgl. LÖBER, K. 1964: Wildleute-Orte an der Lahn und im Westerwald. In: Hessische Blätter für Volkskunde. Bd. 55, S. 141–164). Längst überfällig ist, dieses imposante Geotop zu einem Naturdenkmal zu erklären. 

(s. Foto auf:  http://www.mobileslandschaftsmuseum.de/spuren/basalt.htm)

7. Durch den "Lattendel" und "Erbsentriesch" (vgl. Karte u. Luftbild oben) führte einst eine nach W. Görich um das Jahr 720 eingerichtete Karolingische Königstraße, die sog. "Alte Landstraße durch den Forstwald" (GÖRICH, W. 1948: Frühmittelalterliche Straßen und Burgen in Oberhessen. Dissertation, Universität Marburg; vgl. auch RUDERSDORF, W. 1998: Chronik Hausen. Geschichte eines Westerwalddorfes: S. 38). Auf der "Weberschen Karte des Fürstentums Hadamar" von 1713 ist diese "Alte Landstraße ..." noch eingezeichnet. Bislang gibt es dazu keinerlei Untersuchungen vor Ort, gleichwohl ist an solch alten Handelswegen immer mit besonderen Funden zu rechnen. Im Zuge evtl. Bauarbeiten in diesem Bereich ist deshalb gleichermaßen eine archäologische Baubegleitung zu fordern.

8.  Ca. 200 m nördlich des Gipfels vom "Hohlen Stein" (in Hausen mitunter auch "Hasenkopf" genannt) habe ich im Jahr 2002 einen im Laub liegenden, vollkommen gereinigten (!) historischen Grenzstein aus Lahnmarmor gefunden (Koordinaten: R 34 34 710  H 56 00 100). Während im zugespitzten Sockel, der einst in der Erde steckte, sehr schöne Fossilien aus dem Devon-Meer zu erkennen sind, lässt der obere zu einem Rundbogen ausgemeißelte Teil die Inschrift " O  N " für Oranien-Nassau erkennen, was eine Datierung in die Mitte des 18. Jahrhunderts wahrscheinlich macht. Nach Meldung des Fundes beim LfDH Wiesbaden (Dr. Pachali) wurde deutlich, dass dieser hier wohl an sekundärer Stelle (von einem "reuigen Sammler"?) abgelegt wurde. Ob dieser bemerkenswerte Fund hier tatsächlich einst als Grenzstein oder als Meilenstein an der zuvor erwähnten mittelalterlichen Straße (7) diente, lässt sich bislang nicht sagen. Da leider nicht zu rekonstruieren war, wo genau er einst als Markierung diente, war zu entscheiden, was damit passieren sollte. Eine gemeinsam mit dem inzwischen verstorbenen Heimatforscher W. Rudersdorf angestellte Überlegung, ihn ins Heimatmuseum Ellar zu überführen, wurde bislang nicht in die Tat umgesetzt, da dieses bereits einen ähnlichen Stein in seinen Beständen hat (Ergänzend sei an dieser Stelle erwähnt, dass es in Waldbrunn-Ellar einen Garten gibt, in dem sehr zahlreiche historische Grenzsteine aufgestellt wurden, über deren ursprüngliche Position leider keine Daten mehr vorliegen). Daneben sollte erwähnt sein, dass im Rahmen der von Dipl.-Ing. P. Guckelsberger durchgeführten naturkundlichen Kartierungen im Bereich des Hauser Waldes inzwischen weitere vergleichbare historische Grenzsteine im Hauser Wald bekannt geworden und per GPS-Daten eingemessen sind (Letztere werden hier jedoch nicht veröffentlicht, um weitere illegale Ausgrabungen zu verhindern). Vor eventuellen Bau- und / oder Forstarbeiten im Hauser Wald sollte in jedem Fall eine intensive Suche nach weiteren Belegen für eine historische Grenze stehen!

9. Mit diesem (zuvor behandelten) historischen Grenzstein (8) in Zusammenhang stehen könnte z.B. die senkrecht stehende Basaltsäule an der nördlich gelegenen Wegekreuzung (markiert zugleich die Grenze Hessen - Rheinland-Pfalz), die im Volksmund als  "Langer Schtaa" (Langer Stein) bekannt ist. Zahlreiche Parallelen in Hessen lassen jedoch auch den Schluss auf eine möglicherweise viel ältere Zeitstellung zu: Es könnte sich nämlich ursprünglich durchaus um einen sog. "Menhir" aus der Zeit der sog. Megalith-Kulturen der Jungsteinzeit handeln, was wiederum zu den zuvor erwähnten potentiellen Standorten für entsprechend alte Steinkammergräber (1-3) passen würde!

10 (auf der gesamten Fläche, deshalb ohne Karteneintrag). Schließlich muss erwähnt sein, dass im betreffenden Waldgebiet an vielen Stellen die sog. Laacher-See-Tephra (= Laacher Bimstuff) erhalten geblieben ist, eine ca. 12.900 Jahre alte Vulkanasche vom Ende der letzten Eiszeit. Sie deckt hier mit bis zu 2 m Mächtigkeit eine ehemalige Oberfläche aus der sog. Alleröd-Zeit ab. Die späteiszeitliche Oberfläche wurde dadurch konserviert, d.h. vor nacheiszeitlicher Abtragung und Bodenbildung bewahrt, so dass einzigartige Befunde vom Ende der Altsteinzeit erhalten geblieben sein könnten! Das gilt insbesondere für die zahlreich vorhandenen Feuchtböden und -sedimente, weil hier in aller Regel auch organisches Material erhalten geblieben ist. Es gibt im Hauser Wald mehrere Bereiche (z.B. östlich v. Langendernbach) mit "Verdacht" auf ehemalige Seen und/oder Moore, denen möglicherweise eine überregional bedeutende Funktion als landschaftsgeschichtliche Archive zukommt! Paläontologische Baubegleitungen wären hier zwingend! Darüber hinaus ist zu erwähnen, dass sich auf der Laacher-See-Tephra an einigen Stellen eine sog. "Lockerbraunerde" ausgebildet hat - eine seltene und bemerkenswerte Bodenbildung, die im Geopark Westerwald-Lahn-Taunus ein besonderes geotouristisches Potenzial besitzt.

11 (auf der gesamten Fläche, deshalb ohne Karteneintrag). Hinzu kommt dass diese Vulkanasche in früheren Zeiten aus sog. "Sand-Kauten" entnommen wurde, um Material für Mörtelarbeiten zu gewinnen. Zusammen mit zahlreichen "Pingen", die kulturhistorische Zeugnisse von früheren Bergbautätigkeiten unterschiedlicher Zielsetzung darstellen, sind somit im betreffenden Waldgebiet eine ganze Reihe besonderer Bodendenkmäler erhalten, die nicht undokumentiert zerstört werden dürfen!

 

Fazit

Insgesamt wird deutlich, dass in der betreffenden Region schon viele prä- und kulturhistorische Zeugnisse undokumentiert zerstört worden sind. Neben deutlich verbesserten arten- und naturschutzrechtlichen Untersuchungen ist deshalb in jedem Fall auch eine umfassende denkmalfachliche Kartierung/Fachbegleitung zu fordern!

 

Der Hauser Wald bei Waldbrunn-Hausen - Archäologie, Geologie, Natur - Ein besonderes Kleinod an der Grenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz

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04.04.2018