Lauterbach am See ?

Im Dezember 1995 wurden mir vom inzwischen leider verstorbenen Lauterbacher Lehrer und Heimatforscher Walter Kniepert zwei Tüten mit Bodenproben übergeben, die er bereits 1988 bei Bauarbeiten im Bereich der Straßen "Obergasse" und "Am See" geborgen hatte.

Schon nach flüchtiger Durchsicht konnte ich darin ausgezeichnet erhaltene Pflanzenreste bestimmen: z.B. Holzreste von Birken und Weiden, Samen bzw. Früchte von Himbeeren, Ampfer, Knöterich, Brennnessel, Gänsefuß, Haselnuss, Taubnessel sowie Moosstämmchen (u.a.  Sphagnum sp.) und vieles mehr. Hinzu kamen Brandlehm, Knochen- und Keramikfragmente.

Da es sich bei dem ausgewerteten Material durchaus um eine Ablagerung aus einem ehemaligen Moor oder See (= Mudde) handeln könnte, wären im Rahmen weiterer Untersuchungen sehr interessante Ergebnisse zu erwarten. Vielleicht könnte so auch geklärt werden, weshalb ein Stadtteil in einer kleinen hessischen Fachwerkstadt den Namen "Am See" trägt.

Eine Auswertung dieser bemerkenswerten Befunde wäre für die Stadtgeschichte in jedem Fall von besonderer Bedeutung. Bei weiteren Baumaßnahmen im betreffenden Bereich sollten deshalb unbedingt neue Proben entnommen werden, um sie einer umweltarchäologischen Analyse unterziehen zu können.

Lohnend ist in jedem Fall ein Besuch des Lauterbacher Hohhausmuseums. Leider musste sich das Museum kürzlich von einem sehr wertvollen Herbarium mit zahlreichen Belegen der heimischen Flora aus der Mitte des 19. Jahrhunderts trennen, das der Verfasser über viele Jahre betreuen und teilweise restaurieren konnte (s. auch Presse/Referenzen). Diese wertvolle Sammlung wurde 2002 in Kooperation mit Prof. Dr. G. Zizka an das Senckenberg-Museum in Frankfurt überführt.

Dr. Holger Rittweger

 

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02.06.2017