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Kahlhausen am Kanal

oder

Die Dorflinde

ein

Heimat-Gedicht aus dem Westerwald

Am Brunnen vor der Halle, da stand ein Lindenbaum -
Schattenspender, Bienenweide, tausendfacher Lebensraum.
Warf Laub, schlug aus und konnte Luft und Duft verbreiten,
erlebte Sturm und Deutschlands schlimmste Zeiten.

So viel Jahre Stetigkeit trotz Streusalz, Abgas, zementierten Flächen -
wen wundern da paar morsche Äste, die drohten abzubrechen?
Doch Linde lässt sich gut beschneiden, bedarf nur leichter Pflege,
doch statt Verstand, Respekt, Bedacht - kam nun die große Säge.

Und weil man einmal war dabei,
so fällte man auch gleich die zwei,
die ihn rechts und links so lang und treu begleitet hatten
und an der Kirmes fehlt nun jeder Schatten ...

Nun stehn drei Stümpfe mahnend, sie zeigen klipp und klar:
dass nicht einer dieser Bäume wirklich krank gewesen war.
Der Ortskern kahl, mit "malerischer" Bausubstanz …,
trotz Klimawarnung so viel Dummheit, Ignoranz?

Doch wer ist zu bestrafen: Bürgermeister, Ortsvorstand?
Ganz weit gefehlt, denn denen war’s nicht mal bekannt.
Ein Tollhaus sollt man meinen, zur Weitsicht nicht im Stande,
doch gibt‘s da leider nichts zum Lachen, was bleibt ist eine Schande.

Und nicht viel später fiel auch noch die große Birke,
die lange Zeit die einfallslose Brücke zierte.
Sie hatte tapfer auch den betonierten Bach-Kanal verdeckt,
dann Zeichen leichter Fäule: Rückschnitt? Unsinn! Weg damit!

Laub ist Dreck und der muss weg, stört Aufräum-Bürgers Ordnungssinn,
nicht mal im Rinnstein darf was winzig Grünes stehn.
Stattdessen asphaltierte Flächen, Betonsteinpflaster gut zu kehren,
kahl geschorne, beinah tote Rasen und akkurat frisierte Koniferen.

Ein Teil der Bürger wird sich irgendwann beklagen,
nach Schmetterlingen, Vögeln, Bienen fragen.
Der Rest wird laubfrei tumb auf asphaltierter Fläche harren,
tagein tagaus auf Status-Blech-Lawinen starren.

Waldbrunn – ein Quell idyllisch liegt im Walde drin,
da fährt aus nah und fern doch jeder gerne hin!
Zum Lachen wie zum Weinen, als Täuschung schlicht genial,
denn treffend wär wohl eher: Kahl-Hausen am Kanal.

H.R., Januar 2015

Epilog:

 

Dorflinden waren mit Ihren majestätischen Kronen über Jahrhunderte selbstverständlicher Blickfang im Zentrum zahlreicher Orte im ländlichen Raum. Niemand wäre bei Verstand und ohne Not auf die Idee gekommen, solch einen Frevel zu begehen. In unserer übersatten Industriegesellschaft ist das inzwischen offenbar anders, denn das vorstehende Gedicht kann leider stellvertretend für zahlreiche Dörfer und Gemeinden (nicht nur im Westerwald) stehen, deren Einwohnern es zunehmend sowohl an Geschichts- als auch an Umweltbewusstsein mangelt.

Diese drei Dorflinden hätten  sicher nicht unser Klima gerettet. Ihre unreflektierte und undiskutierte radikale Entfernung lässt jedoch ein so großes Ausmaß an Respektlosigkeit  und Entfremdung von der Natur erkennen, dass wenigstens anschließend ein "Nach"denken von Nöten ist!°

Genau diese Entfremdung und das einhergehende reine "Technik-Denken" stellen mittlerweile den Fortbestand unserer eigenen Art in Frage.

Wer das für übertrieben hält, hat keine Ahnung von Geoökologie, und es ist wahrlich an der Zeit, dass das so klar formuliert wird.

Bleibt ein Wort zum  Hintergrund-Bild: Es handelt sich um ein Foto eines der drei Baumstümpfe kurz nach der Fällung, das einen über 80 Jahre alten, kerngesunden Linden-Baum erkennen lässt ...

 

 

Kahl-Hausen am Kanal -  Die Dorflinde - Ein Heimat-Gedicht  aus dem Westerwald

Kahl-Hausen am Kanal -  Die Dorflinde - Ein Heimat-Gedicht  aus dem Westerwald

offenkundig aktueller denn je:

Kahl-Hausen am Kanal -  Die Dorflinde - Ein Heimat-Gedicht  aus dem Westerwald

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letzte Aktualisierung

02.06.2017